Der Grundtenor der 1970er-Jahre

In ganz Deutschland wurden in den 1970er-Jahren die meisten öffentlichen Musikschulen gegründet. Mit der größten Anzahl an neugründeten Musikschulen stand Baden-Württemberg bundesweit an der Spitze.

Auch in Gaggenau gab es große Bestrebungen, in Sachen Kultur und musikalischer Bildung auf der Höhe der Zeit anzukommen.

Federführend in dieser Entwicklung waren die Vertreter der Gaggenauer Musikvereine, allen voran die Repräsentanten der Akkordeon-Musiker und Bläser. Der Stadtrat und Visionär Josef Riedinger (1921–1982) stellte sich damals der Mammutaufgabe, alle Wünsche und Ideen in einem gemeinsamen Konzept zu vereinen. Als Mitbegründer und späterer Präsident des „Harmonika Spielring Bad Rotenfels“ wusste er um die Verantwortung, jungen Menschen Wege in die Welt der Musik und zu einer umfassenden instrumentalen Ausbildung zu eröffnen.

In enger Zusammenarbeit mit dem Haupt- sowie Kulturamt, dem Gemeinderat und dem damaligen Oberbürgermeister der Stadt Gaggenau, Dr. Helmuth Dahringer, setzte er die Vorstellungen einer Musikschule in Gaggenau Schritt für Schritt in die Realität um:

1971

Erste Planungen und Bestrebungen für die Gründung einer Musikschule in Gaggenau, die nach den Richtlinien des noch jungen „Verbandes deutscher Musikschulen“ (VdM) arbeiten sollte.

1972

Gründung des Kulturausschusses am 28.02., mit dem allgemeinen Ziel der Förderung des gemeinschaftlichen Kulturlebens

1973

  • Der Kulturausschuss wird im April in die noch heute bestehende „Gemeinschaft für kulturelle Förderung“ umgewandelt. Die Gemeinschaft bindet alle kulturellen Vereine der Stadt Gaggenau ein, u. a. auch beim Ziel der Gründung einer Jugendmusikschule
  • Die „Villa Ruprecht“ wird als Standort für die Musikschule ausgewählt. In drei zur Verfügung stehenden Räumen soll am Nachmittag und Abend der Musikunterricht durchgeführt werden
  • Im Sommer gibt es bereits 250 Anmeldung an der Musikschule für die Grundstufen der Instrumente Blockflöte, Melodica, Querflöte, Klarinette, Saxophon, Fagott, Trompete, Tenorhorn, Waldhorn, Violine, Akkordeon und Gitarre. Als „Soloinstrument“, das noch nicht in der Musikschule vorhanden ist, wird das Klavier zunächst vom Angebot ausgeklammert
  • Am 01.10. startet die Musikschule ihren Betrieb mit 250 Schülern und 15 Lehrern

1974

  • im April verzeichnet die Musikschule Gaggenau bereits 300 Schüler
  • am 20.11. findet das erste Schülerkonzert der Musikschule in der Jahnhalle statt
  • Die Kapazität der Musikschule kommt räumlich und finanziell an ihre Grenzen. Es kommt zum ersten Aufnahmestopp und Wartelisten für angehende Schüler

1976

  • Das Fach „musikalische Früherziehung“ wird eingeführt und damit ein wichtiger Grundstein für den Aufbau und die Struktur der zukünftigen Musikschule gelegt
  • 400 Schüler werden von 22 Lehrern in 16 Instrumentalfächern und der Grundausbildung/Früherziehung unterrichtet
  • Platzmangel und mangelhafte Akustik führen zu ersten Überlegungen, aus der Villa Ruprecht auszuziehen
  • Im Dezember steht die ehemalige Realschule in der Schulstraße 3 zum ersten Mal als neuer Standort der Musikschule im Gespräch

1978

  • Mit dem Umzug in das heutige Gebäude der Musikschule werden nicht nur die Räumlichkeiten entsprechend den Anforderungen der Schüler umgebaut, sondern auch das Angebot wird um den Bereich Klavier erweitert
  • Die Altersbeschränkung wird aufgehoben – die Musikschule Gaggenau steht ab sofort auch erwachsenen Musikbegeisterten offen

1979

  • Die Musikschule bietet Ballettunterricht an
  • Der „Gaggenauer Musikwettbewerb“ wird ins Leben gerufen, eine bis heute bestehende lokale Besonderheit

1980

  • Das Fach „Theater“ wird in das Programm der Musikschule Gaggenau aufgenommen
  • 800 Schüler besuchen die Musikschule – eine große Herausforderung für die ehrenamtliche Leitung der Schule, die sich zur größten Musikschule des Landkreises Rastatt entwickelt hat

1981

Axel Schweikert wird zum neuen Leiter der Musikschule ernannt

1982

  • Josef Riedinger verstirbt im Frühjahr
  • Axel Schweikert wird ab dem 01.07. hauptamtlichen Schulleiter
  • Lothar Bastian übernimmt die Leitung des Trägervereins
  • Die gesamte Organisationsstruktur wird professionalisiert, die Bereiche Bildende Kunst, Theater und Ballett werden systematisch ausgebaut, das gesamte Angebot der Musikschule wird sinnvoll vernetzt

1990

Axel Schweikert wird Schulleiter der Musikschule Heidelberg und überträgt die Leitung der Musikschule an seinen bisherigen Stellvertreter Hans Bogner, der die Einrichtung konsequent weiterentwickelt

1992

Peter Lust, Vorsitzender der Gemeinschaft für kulturelle Förderung, und Oberbürgermeister Michael Schulz unterzeichnen einen Vertrag, mit dem die Musikschule Gaggenau durch den neu gegründeten „Städtischen Musikschulverein“ in die städtische Trägerschaft überführt wird

2009

Die Schule für Musik und darstellende Kunst steht aus diversen Gründen zum Ende des Jahres vor der Insolvenz

2010

  • Der Musikschulverein zieht die Reißleine und geht in Insolvenz mit dem Ziel, die Schule zu erhalten. Ein Schritt, der keinerlei Auswirkungen auf den Unterricht der Schule hat – dieser läuft wie gewohnt weiter
  • Im Oktober wird der sanierte Betrieb wieder aufgenommen, jedoch ohne Musikschulleitung und ohne den Bereich Klavier

2011

Oberbürgermeister Christof Florus präsentiert in seiner Funktion als Vorsitzender des städtischen Musikschulvereins zunächst den Fachbereichsleitern, dann der Öffentlichkeit den neuen Musikschulleiter Achim Rheinschmidt

2016

Im März 2016 übernimmt Oliver Grote die musikalische Leitung des Musikschule Gaggenau. Ihm wird Jochen Baier als Stellvertreter zur Seite gestellt.